[Rezension] Schrödinger, Dr. Linda und eine Leiche im Kühlhaus



Jan de Leeuw
Schrödinger, Dr. Linda und eine Leiche im Kühlhaus
Carlsen
5,95
ISBN 978-3-551-31127-6
1. Auflage August 2012
160 Seiten
Broschur
Verlagsseite





Inhalt


Was tut man, wenn man eines Morgens die Mutter tot im Schlafzimmer findet, der Vater nicht greifbar ist und die geliebte kleine Schwester sich schon unbändig auf ihren Geburtstag freut? Jonas versucht zu retten, was noch zu retten ist, befördert seine Mutter kurzerhand ins Kühlhaus und behauptet, sie sei verreist. Nur leider traut die überaus neugierige Nachbarin der Sache nicht so ganz. Und als Jonas auch noch den Job seiner Mutter als Kummerkastentante Dr. Linda übernimmt, droht das Lügengebäude endgültig einzustürzen. Denn seine seltsamen Ratschläge zum Thema Liebe rufen Heleen auf den Plan, die sich gerne persönlich bei Dr. Linda beschweren möchte - mit ungeahnten Folgen! (Quelle)

Es war still im Haus. Er suchte die Nummer der Polizei und des Arztes heraus. Eine Weile blieb er so sitzen mit dem Telefon auf dem Schoß. Ab und zu fuhr ein Auto durch die Straße. Ein paar Mädchen gingen lachend am Fenster vorbei. Die Uhr schlug ein Mal.  
S. 21


Meine Meinung


Manchmal kauft man Bücher, bei denen man weiß, was einen erwartet. Die ein altbekanntes Rezept aufgreifen und verarbeiten. Bei diesem Buch kann davon nicht die Rede sein. Schon das Cover finde ich schwer einzuordnen - ich denke, ich habe mir das Buch hauptsächlich aus Experimentierfreude und wegen des billigen Preises zugelegt. Mit Jugendbüchern beschäftige ich mich ja gerade im Rahmen von The Contemporary YA Challenge genauer.

Schon der Beginn hat mich gefesselt, denn es startet in der Tat sehr ungewöhnlich. Nach einem Kafka-Zitat spricht der Protagonist des Buches den Leser direkt an, schildert mit sehr viel Humor eine Szene und erklärt dann die Theorie von Schrödingers Katze, die - seiner Aussage nach - für das Buch sehr relevant ist. Erst dann beginnt der eigentliche Roman aus der Sicht eines auktorialen Erzählers.

Der Schreibstil hat mir wirklich gut gefallen. Jugendlich, frisch, aber auch sehr pointiert. Genauso habe ich auch den Inhalt empfunden. Es wird nichts Unnötiges erzählt, jedes Teilchen der Erzählung hat seine Bedeutung, auch wenn es am Anfang noch so unwichtig erscheint.
Kritisieren kann man hier vielleicht, dass es teilweise zu kurz gehalten ist. Auf das Innenleben der handelnden Personen wird nicht eingegangen; wie genau Jonas sich fühlt, kann man nur erahnen, es wird dem Leser nicht detailliert vorgegeben. Dennoch konnte ich anhand von Jonas Handlungen seine Gefühlslage sehr gut nachvollziehen - meiner Meinung nach braucht nicht jedes Buch exakte Beschreibung des Innenlebens der Personen. Das ist aber sicher auch Geschmackssache.
Eine Möglichkeit, Jonas Gedanken nachzuvollziehen, sind zum Beispiel auch die Briefe, die er im Namen von Dr. Linda verfasst. Das habe ich als sehr gelungenes Mittel empfunden.

Jonas war ein sehr sympathischer Hauptcharakter. Auch wenn er mit der Situation oft überfordert wirkt, fällt ihm immer eine neue Lösung ein. Warum ruft er nicht die Polizei an, als er seine Mutter tot auffindet? Der Hauptgrund ist wohl der Schutz seiner achtjährigen Schwester, die ihm sehr am Herzen liegt und für die er alles tun würde.
Auch die Nebencharaktere gefielen mir sehr gut. Sie wurden knapp beschrieben, aber wirkten dennoch  lebendig und mehrdimensional.

Obwohl das Buch sehr ernste Themen behandelt (der Protagonist findet auf den ersten Seiten seine tote Mutter, der Vater sitzt in der Psychiatrie und er muss sich allein um seine Schwester kümmern), verliert es nie seinen Humor, was wahrscheinlich an der amüsanten Erzählweise, der Situationskomik und den sympathischen Charakteren liegt. Die Szenen sind oft skurril und werden mit einem Augenzwinkern wiedergegeben. Ein gelungener Mix aus Tragik und Komik, bei dem ich persönlich immer die verlorene Atmosphäre wahrnehmen konnte, die Jonas umgibt.

Dieses Buch hat mich lange nicht losgelassen, vor allem, da nicht viele Antworten geboten werden. Vieles wird nur angeschnitten, muss man sich selbst erschließen oder man kann es vielleicht auch gar nicht ganz erschließen. Für viele Leser ist diese offene Handlung sicherlich ein Makel, mich hat es fasziniert.
Ich finde es sehr schwer, das Buch überhaupt angemessen in Worte zu fassen - denn Standard ist es ganz sicher nicht.

Sarah lag im Bett.
»Gibt es einen Himmel für Hamster?«, fragte sie.
»Was glaubst du?«
»Ich glaube es nicht.«
»Wieso nicht?«, fragte er.
»Wenn es im Himmel genauso ist wie in seinem Käfig, dann hätte er doch nicht sterben müssen, oder? Dann hätte er genauso gut weiterleben können.«
S. 72


Fazit


Ein wirklich ungewöhnliches Jugendbuch über einen Jungen, der aus einer verlorenen Situation das Beste zu machen versucht. Tragik und Komik werden hier miteinander vereint.

Idee: 5/5
Handlung: 4/5
Charaktere: 4,5/5
Schreibstil: 4,5/5
Lesespaß: 5/5

Gesamt:
  

[Bla] Wo ist denn der Winter geblieben?



Hallo! :)

Hier kommt also der angekündigte Plauderpost. Derzeit herrscht ja wieder ein herbstliches Wetter, der ganze Schnee ist geschmolzen und wenn ich nach draußen gehe, friere ich gar nicht mehr. Das ist schon verwirrend. Ich hatte gehofft, das schöne Weiß würde sich etwas länger halten.

Leider war das Wetter bisher nicht mit mir, am Wochenende gab es nur wenig Schnee, während ich unter der Woche im Büro saß und sehnsüchtig auf das tolle, sonnige Wetter und die Schneemassen gestarrt habe. Aber wer weiß, vielleicht mag die Wetterfee mich ja doch noch und ich kann nächste Woche ein paar Schneefotos machen.

Freitag fahre ich zu meinen Eltern und freue mich schon sehr, sie wiederzusehen. Meine letzten Besuche waren eindeutig zu kurz. Dieser wird zwar ähnlich kurz ausfallen (besonders, wenn die Tage dann noch mit dem ganzen Weihnachtskram angefüllt sind), aber besser so, als gar nicht.
Das bedeutet, dass ich am Abend noch einen Trip mit der Bahn durch ganz Deutschland machen muss - wehe, der Zug hat Verspätung, dann sitze ich irgendwann fest.

Was gibt es sonst noch zu berichten? Ich war gestern um Kino und habe den Hobbit gesehen, ganz überzeugt hat mich der Film aber leider nicht. Ich überlege mal, ob ich noch Lust habe, eine Kritik zu schreiben und alle Punkte aufzuzählen, die mir nicht gefallen haben ...
In letzter Zeit komme ich mir vor, wie der böse Filmkritiker schlechthin. An allem muss ich rummäkeln. Aber was soll man machen? Ich versuche noch immer, den Hobbit zu mögen, aber so ganz will es mir nicht gelingen.

Außerdem lese ich gerade mal wieder einen Band von "Das Lied von Eis und Feuer". Dummerweise ist das trotz Teilung im Deutschen ein echter Brocken und ich musste die letzten Tage schon Marathonlesen veranstalten, um das Buch noch vor meiner Fahrt in den Norden durchzulesen. Denn ich habe keine Lust, mein Gepäck mit diesem Brocken zu belasten. Aber nun fehlen nur noch 100 Seiten, das sollte bis Freitag machbar sein.
Leider hat das zur Folge, dass es mit Rezensionen zur Zeit etwas mau auf dem Blog aussieht.

Viele Grüße
Miyann

[TAG] 100 Bücher

Hallo. :)

Ich bin von Mel vom Haus des Wahnsinns getaggt worden. Vielen Dank!

Es geht bei diesem TAG darum, auf der folgenden Liste (wohl die Lieblingsbücher der Deutschen oder so) zu markieren, was man bereits gelesen hat. Ich finde die Liste echt ein wenig seltsam, was die Buchauswahl angeht, aber ich markiere trotzdem mal bunt drauflos.

Die kursiven und lilafarbenen Bücher habe ich bereits gelesen.
Kommentare sind ebenfalls lila.
Bücher, die ungelesen in meinem Regal stehen, haben eine wunderbar grünliche Färbung bekommen. Die möchte ich logischerweise auch gerne mal lesen, mit Ausnahme der Bibel.

1. Der Herr der Ringe, JRR Tolkien 
2. Die Bibel (Ich wollte sie tatsächlich früher mal lesen, habe aber recht schnell aufgegeben. Und mittlerweile habe ich wirklich nicht mehr das geringste Interesse daran.)
3. Die Säulen der Erde, Ken Follett
4. Das Parfüm, Patrick Süskind
5. Der kleine Prinz, Antoine de Saint-Exupéry
6. Buddenbrooks, Thomas Mann
7. Der Medicus, Noah Gordon
8. Der Alchimist, Paulo Coelho
9. Harry Potter und der Stein der Weisen, JK Rowling
10. Die Päpstin, Donna W. Cross
11. Tintenherz, Cornelia Funke
12. Feuer und Stein, Diana Gabaldon
13. Das Geisterhaus, Isabel Allende
14. Der Vorleser, Bernhard Schlink
15. Faust. Der Tragödie erster Teil, Johann Wolfgang von Goethe (Habe ich schrecklicherweise noch nicht gelesen. Steht aber grooooß auf meiner Leseliste.)
16. Der Schatten des Windes, Carlos Ruiz Zafón
17. Stolz und Vorurteil, Jane Austen
18. Der Name der Rose, Umberto Eco
19. Illuminati, Dan Brown
20. Effi Briest, Theodor Fontane
21. Harry Potter und der Orden des Phönix, JK Rowling
22. Der Zauberberg, Thomas Mann
23. Vom Winde verweht, Margaret Mitchell
24. Siddharta, Hermann Hesse
25. Die Entdeckung des Himmels, Harry Mulisch
26. Die unendliche Geschichte, Michael Ende
27. Das verborgene Wort, Ulla Hahn
28. Die Asche meiner Mutter, Frank McCourt (Auch definitiv ganz fett auf der Leseliste.)
29. Narziss und Goldmund, Hermann Hesse
30. Die Nebel von Avalon, Marion Zimmer Bradley
31. Deutschstunde, Siegfried Lenz
32. Die Glut, Sándor Márai
33. Homo faber, Max Frisch
34. Die Entdeckung der Langsamkeit, Sten Nadolny
35. Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins, Milan Kundera
36. Hundert Jahre Einsamkeit, Gabriel Garcia Márquez
37. Owen Meany, John Irving
38. Sofies Welt, Jostein Gaarder
39. Per Anhalter durch die Galaxis, Douglas Adams
40. Die Wand, Marlen Haushofer
41. Gottes Werk und Teufels Beitrag, John Irving (Lesen wollen!)
42. Die Liebe in den Zeiten der Cholera, Gabriel Garcia Márquez (Ebenfalls!)
43. Der Stechlin, Theodor Fontane
44. Der Steppenwolf, Hermann Hesse (Das habe ich halb gelesen. Aber nur so drübergehuscht, als richtig lesen würde ich das nicht bezeichnen.)
45. Wer die Nachtigall stört, Harper Lee
46. Joseph und seine Brüder, Thomas Mann
47. Der Laden, Erwin Strittmatter
48. Die Blechtrommel, Günter Grass
49. Im Westen nichts Neues, Erich Maria Remarque (Ganz dick auf der Leseliste, die Bildungslücke will ich unbedingt schließen!)
50. Der Schwarm, Frank Schätzing
51. Wie ein einziger Tag, Nicholas Sparks
52. Harry Potter und der Gefangene von Askaban, JK Rowling
53. Momo, Michael Ende
54. Jahrestage, Uwe Johnson
55. Traumfänger, Marlo Morgan
56. Der Fänger im Roggen, Jerome David Salinger
57. Sakrileg, Dan Brown
58. Krabat, Otfried Preußler
59. Pippi Langstrumpf, Astrid Lindgren
60. Wüstenblume, Waris Dirie Will
61. Geh, wohin dein Herz dich trägt, Susanna Tamaro
62. Hannas Töchter, Marianne Fredriksson
63. Mittsommermord, Henning Mankell
64. Die Rückkehr des Tanzlehrers, Henning Mankell
65. Das Hotel New Hampshire, John Irving
66. Krieg und Frieden, Leo N. Tolstoi
67. Das Glasperlenspiel, Hermann Hesse
68. Die Muschelsucher, Rosamunde Pilcher
69. Harry Potter und der Feuerkelch, JK Rowling
70. Tagebuch, Anne Frank
71. Salz auf unserer Haut, Benoîte Groult
72. Jauche und Levkojen , Christine Brückner
73. Die Korrekturen, Jonathan Franzen
74. Die weiße Massai, Corinne Hofmann
75. Was ich liebte, Siri Hustvedt
76. Die dreizehn Leben des Käpt’n Blaubär, Walter Moers
77. Das Lächeln der Fortuna, Rebecca Gablé
78. Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran, Eric-Emmanuel Schmitt
79. Winnetou, Karl May (Ich weiß, dass ich mal reingelesen habe, aber ich bin mir unsicher, ob ichs zuende gelesen habe. Ist Jahre her und wenn, hat es keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. *grübel*)
80. Désirée, Annemarie Selinko
81. Nirgendwo in Afrika, Stefanie Zweig
82. Garp und wie er die Welt sah, John Irving
83. Die Sturmhöhe, Emily Brontë
84. P.S. Ich liebe Dich, Cecilia Ahern
85. 1984, George Orwell
86. Mondscheintarif, Ildiko von Kürthy
87. Paula, Isabel Allende
88. Solange du da bist, Marc Levy
89. Es muss nicht immer Kaviar sein, Johanns Mario Simmel
90. Veronika beschließt zu sterben, Paulo Coelho
91. Der Chronist der Winde, Henning Mankell
92. Der Meister und Margarita, Michail Bulgakow
93. Schachnovelle, Stefan Zweig
94. Tadellöser & Wolff, Walter Kempowski
95. Anna Karenina, Leo N. Tolstoi (Habe ich angefangen, aber schlimmerweise nicht zuende gelesen. Das war im Rahmen einer Leserunde, die leider auf halber Strecke eingeschlafen ist.)
96. Schuld und Sühne, Fjodor Dostojewski
97. Der Graf von Monte Christo, Alexandre Dumas
98. Der Puppenspieler, Tanja Kinkel
99. Jane Eyre, Charlotte Brontë
100. Rote Sonne, schwarzes Land, Barbara Wood

Wenn ich richtig gezählt habe, habe ich also 29 Bücher von der Liste bereits gelesen. Hm. Viele davon in meiner Jugendzeit, sodass ich mich nur noch spärlich daran erinnere (z.B. Die Päpstin oder Der Medicus, das war in meiner historischen Phase).

Ich merke, dass ich im Bereich des Trivialen hier eindeutig stärker vertreten bin und einige wirklich krasse Klassikerlücken mal schließen sollte. Aber kommt Zeit, kommt das Lesen. :)

Sehr amüsant finde ich, dass ich von den vorderen Plätzen echt viel gelesen habe und dann wird es immer weniger ... Mysteriös!

Außerdem gebe ich den TAG an die liebe Tin weiter. Sieh dich aber nicht gezwungen, wenn du keine Lust hast! ;)



Noch ein wenig Bla:

Noch ein wenig Allgemeines: Ich lese gerade mal wieder einen Band vom Lied von Eis und Feuer. Das dauert erfahrungsgemäß immer recht lange bei mir, da ich nicht so oft zum Lesen komme, daher habe ich im Moment auch nicht viel zu rezensieren.
Ich könnte mal alte Rezensionen veröffentlichen, die vor dem Blog hier entstanden sind. *grübel*

Ich lasse mir auf jeden Fall was einfallen, damit es hier nicht zu leer wird. Ich denke, in den nächsten Tagen wird noch ein Plauderpost kommen, außerdem habe ich ein paar Bilder vorbereitet und ich habe auch noch einen TAG, den ich ausfüllen muss.
Also es wird hoffentlich nicht wieder so still sein wie in der letzten Woche, die etwas voll bei mir war.

Viele Grüße
Miyann

[Fotos] Nicht-Winterfotos

Ich wünsche einen schönen Abend!

Ja, die Nicht-Winterfotos. Ich entschuldige mich schon mal dafür, dass ich hier eher Herbst- denn Winterstimmung verbreite, aber ich habe nichts winterliches da. Ein Fototermin mit dem Schnee steht zwar auf dem Plan, allerdings ist da bisher leider noch nichts draus geworden. Also habe ich ein wenig in meinen Herbstfotos gewühlt. ;D

Ich hoffe, euch gefallen die Bilder - eine vergrößerte Ansicht gibt es beim Draufklicken. 



Ich war vor zwei (?) Wochen an der Isar unterwegs. Da hatte ich wirklich einen schönen Tag erwischt. Die Überbelichtung ist hier übrigens Absicht, ich fand das so ganz interessant. :)


Die Stimmung war schon herbstlich, wie man sieht. Ich habe mich ein wenig an Pflanzendetails ausgetobt. Irgendwie neige ich in letzter Zeit sehr dazu, Pflanzendetailaufnahmen zu machen - ich sollte mal wieder kreativer in der Motivfindung werden.






Zum Abschluss noch ein weiteres eher experimentelles Foto. Irgendwie mag ich es, auch wenn es extrem unruhig ist und man kaum etwas erkennt. Ich habe noch andere Varianten dieses Motivs, aber diese hier finde ich immer noch am Interessantesten - keine Ahnung, wieso.

Das war es auch schon wieder. Ich denke, dass spätestens am Wochenende ein weiterer Fotopost kommen wird, denn ich habe noch einige Bilder, die gerne gepostet werden möchten. Es wäre nur für einen Post etwas viel geworden, deswegen habe ich mich erst einmal auf diese Auswahl beschränkt. 

Viele Grüße
Miyann

[Rezension] Alles, was ich will



Vikki Wakefield
Alles, was ich will
Bloomsbury Verlag
8,99
ISBN 978-38333-5098-6
1. Auflage 8. Oktober 2012
237 Seiten
Broschur
Verlagsseite









Mim will raus aus dem Sumpf, der sie umgibt, aber sie wird auf eine harte Probe gestellt. Nicht nur, dass ihre Mutter sie in die Drogengeschäfte zieht und sie als Kurier herhalten muss, die gefährliche Ware wird ihr auch noch von dem gutaussehenden Jordan entrissen. Das darf ihre Mutter niemals erfahren! Für Mim beginnt eine wilde Jagd nach dem Paket und eine Flucht vor alldem, was sie niemals werden wollte. Schafft sie es, sich an ihre eigenen Regeln zu halten?(Quelle)

Die Stufen sind komplett vollgeschrieben, alles von mir. Ich werde die Schule beenden. Ich werde keine Drogen nehmen. Ich werde mir keine Tattoos machen lassen. Ich werde keinen Alkohol trinken. Ich werde nicht ständig »Fuck« sagen. Ich werde keinen Sex haben, bis ich achtzehn bin. Ich will nicht so werden wie alle anderen. Ich vertraue nur mir selbst. Eines Tages werde ich diesen Ort verlassen und nie mehr zurückkehren. Und vor allem: Ich will nicht so werden wie meine Mutter. 
S. 36


Dieses Buch habe ich mir für The Contemporary YA Challenge zugelegt. Ich fand das Cover ganz interessant und der Inhalt klang auch ganz gut, also habe ich es spontan mitgenommen.

Die Hauptperson Mim ist wohl ein typischer Teenager, sie ist mitten im Erwachsenwerden und kämpft mit den Tücken dieses Lebensabschnitts. Sie ist auf der Suche nach einem neuen Leben, denn ihrem alten Leben möchte sie um jeden Preis entkommen. Sie ist in einem Problemviertel aufgewachsen, ihre Brüder sind als Kriminelle tätig und sitzen gerade im Gefängnis.
Mim hat das Ziel, dieses Viertel hinter sich zu lassen, anders als die anderen Teenager in ihrer Umgebung. Daher hat sie sich Regeln festgelegt, um sich abzugrenzen und so einen neuen Weg zu finden.

Dieses Buch beschäftigt sich mit einer wichtigen Episode in Mims Leben, denn durch den Diebstahl des Pakets wird sie sich sehr verändern, neue Freunde finden und sich außerdem die Frage stellen müssen, ob ihre Regeln und Ziele so überhaupt umsetzbar sind.

Ich muss zugeben, dass ich von dem ganzen Buch nur bedingt begeistert bin. Irgendwie erschien mir alles zu flach, etwas zu eindimensional und besonders das Ende hat mich diesbezüglich eher unbefriedigt zurückgelassen.
Letztendlich muss man im Verlauf des Buches feststellen, dass Mim scheinbar a) einen extrem verschobenen Blickwinkel hat (typisch Teenager) und dass b) alle anderen Dinge, die eigentlich wirklich negativ sind, am Ende ins Positive gedreht werden. Ohne Mims Zutun ändert sich ihr Blickwinkel, weil die Menschen auf sie zugehen und plötzlich wird alles superduper. Hm.

Es ist nicht so, dass das Buch total schlecht ist, man kann es durchaus lesen, aber mich hat es nicht begeistert und einige Stellen, besonders das Ende, haben mich sehr gestört. Es gibt aber auch durchaus positive Dinge, ein paar Szenen und Charaktere sind wirklich schön herausgearbeitet.
Der Schreibstil ist solide, wenn auch nichts Besonderes. Ich denke, es gibt bessere Jugendbücher auf dem Markt, die ein wenig tiefgründiger sind.

Mir ist das nach rennen zumute, aber ich tu's nicht. Ich gehe, denn in unserer Straße weiß jeder, was der andere tut. Irgendwem wird auffallen, dass ich hin geradelt und zurück gegangen bin. Über Zäune hinweg und durch Schlüssellöcher hindurch kann dir das, was du tust, per stiller Post vorauseilen und schneller zu Hause sein als du selbst - sogar wenn du rennst.
S. 12

Ein Jugendbuch ohne besondere herausstechende Merkmale. Kein miserables Leseerlebnis, aber auch keines, das man weiterempfehlen muss. Der Handlungsverlauf, speziell das Ende, hat mich nicht überzeugt.

Idee: 3/5
Handlung: 2/5
Charaktere: 4/5
Schreibstil: 3/5
Lesespaß: 3/5

Gesamt:
  

[Fundstücke] Teil 2


Hallo! :)

Heute gibt es einmal wieder eine Vorstellungen von zwei schönen Fundstücken aus dem Web. Ich hoffe, euch gefallen die Sachen so gut wie mir, ich finde sie klasse. :)




Video: PencilHead


Diesmal habe ich ein tolles, animiertes Video, das viele verschiedene Zeichenstile in sich vereint. Ich könnte es mir immer und immer wieder angucken, so genial finde ich es ... Und die Musik von Fatboy Slim passt perfekt.





Design: Typeflash




So schöne Schriftanimationen kann man sich auf http://typeflash.com/ erstellen. Vorsichtig, das kann echt süchtig machen! (Und ich weiß, die Farben passen nicht 100%, aber meine Zeit war etwas knapp.)



Ich bin derzeit immer noch inaktiv und das hier ist ein geplanter Post. Aber spätestens am Wochenende sollte ich wieder richtig da sein. :)

Viele Grüße
Miyann

[Rezension] Liebe am Papierrand





Yôko Ogawa
Liebe am Papierrand
Liebeskind Verlag
19,80
ISBN 978-3-935890-25-0
1. Auflage August 2004
256 Seiten
Gebunden
Verlagsseite









Eine junge Frau nimmt in einem Hotel an einer Gesprächsrunde mit Gehörkranken teil. Zu dem Stenographen, der das Gespräch protokolliert, fühlt sie sich auf geheimnisvolle Weise hingezogen. Von ihm erfährt sie, daß das Hotel einst einer Fürstenfamilie gehörte, deren kleiner Sohn seinerzeit von einem Balkon stürzte. Jahrelang lag das Kind schwerverletzt in einem der Zimmer, in das der Fürst unzählige Blumen pflanzen ließ, da der abendliche Duft der Blüten dem Jungen Erleichterung verschaffte. Als die Frau nun zusammen mit dem Stenographen das Zimmer besichtigt, glaubt sie, den Duft der längst vergangenen Blumen wahrzunehmen. Sie bittet ihn, fortan ihre Lebensgeschichte aufzuschreiben. Doch als der Stenograph mit den Aufzeichnungen beginnt, und die junge Frau erkennt, daß er hierfür nur eine begrenzte Anzahl von Papier vorgesehen hat, spürt sie, daß sie ihn bald schon wieder verlieren wird…(Quelle)

Unaufhörlich kreisten meine Gedanken. Ich stellte mir die Erinnerungen wie feine Körnchen oder winzige Perlen vor, die von Geistern sorgfältig Stück für Stück sortiert wurden. In meiner Phantasie sah ich, wie sie die perlenfarbenen Körnchen gegen das Licht hielten, um in ihr Inneres blicken zu können, wie sie sie betasteten und ihren Geruch einatmeten, um sie anschließend in die jeweils passende Schublade einzuordnen.
S. 46


Und wieder ein Buch von Yôko Ogawa. Ich bin von dieser Autorin wirklich sehr begeistert und denke, dass ich versuchen werde, langsam alle ihre Bücher zu lesen. Denn sie verzaubert mich mit ihren Geschichten und ihren Worten.

Diesem Roman mit dem ungewöhnlichen Titel haftet wirklich eine besondere Aura an. Er ist still, ruhig und gleichzeitig sehr tief mit einer surrealen Atmosphäre, die nie verschwindet. Unter der Oberfläche wartet mehr, als man auf den ersten Blick denken würde.
Der Schreibstil des Buches ist sehr angenehm, leicht, flüssig, nicht zu schlicht, nicht zu überladen und dabei trotzdem irgendwie ... besonders.

Das Buch ist aus der Ich-Perspektive einer jungen Frau geschrieben, deren Leben unerwartet aus den Fugen geraten ist. Langsam versucht sie zurück ins Leben zu finden und entdeckt dabei den Wert kleiner Dinge, ordnet ihre Welt neu und muss dabei auch immer wieder zurück in ihre Vergangenheit reisen. Sie wirkt wie jemand, der neben der Welt herlebt, wie ein stiller Beobachter, nicht richtig im Jetzt verhaftet.
Es gibt nicht viele handelnde Personen. Genau genommen nur drei, zusätzlich einige Randfiguren und die Personen aus den Erinnerungen. Aber diese drei Charaktere fand ich sehr genau und stimmig gezeichnet.
Yôko Ogawa kleidet die Gefühle und Gedanken der jungen Erzählerin so wunderbar in Worte, dass man sie in jedem Moment versteht. Man kann nachvollziehen, warum sie sich zu dem jungen Stenographen hingezogen fühlt.

Eine normale Liebesgeschichte also? Definitiv nicht. In diesem Roman gibt es keinen einzigen Kuss oder ähnliches. Es ist eine ganz besondere Beziehung, die hier entsteht, und es handelt sich vielmehr um einen Selbstfindungs- als um einen Liebesroman.
Besonders grandios war für mich das Ende, aber hier möchte ich natürlich nicht vorgreifen. Ich schätze aber, dass ich noch lange darüber nachdenken werde.

Und wieder fällt eine Rezension etwas kürzer als als geplant. Das Buch würde so viel mehr Worte verdienen, aber was soll man machen ... Ich bin mittlerweile wirklich ein großer Fan dieser Autorin. Allerdings muss ich trotz meiner 5-Sterne-Wertung darauf hinweisen, dass mir "Das Ende des Bengalischen Tigers" noch etwas besser gefiel.

Nach jeder meiner geflüsterten Fragen richtete er den Blick für ein paar Sekunden in die Ferne und schrieb dann die Antwort auf den Block. Sobald eine Seite vollgeschrieben war, blätterte er sie mit einer jener leichten und fließenden Bewegungen, die auch seine Art zu schreiben auszeichneten, mit der linken Hand um. Seine einzelnen Finger schienen ihm mühelos zu gehorchen.
S. 52

Ein stiller und ruhiger Roman, der sich um die Selbstfindung dreht, um die Relevanz von kleinen Dingen im Leben.

Idee: 5/5
Handlung: 5/5
Charaktere: 5/5
Schreibstil: 5/5
Lesespaß: 5/5

Gesamt:
  

[Statistik] Monatsübersicht November 2012

Guten Tag! :)

Ich dachte mir, dass ich tatsächlich auch mal so eine schöne Monatsübersicht erstelle, auch wenn die bei mir eher lächerlich ist, weil ich so wenig lese, bzw. selten zum Lesen komme (das Internet muss ja auch noch gepflegt werden - und da war noch was namens Arbeit - und so).

Jedenfalls wird meine ultimativ spannende Monatsstatistik so aussehen, dass ich nochmal einen Kurzeindruck von jedem Buch poste und joa. Wisst ihr Bescheid, gell?

Ich bin übrigens die nächste Woche nicht wirklich aktiv, da Freunde von mir zu Besuch kommen und wir einiges vorhaben, aber ich versuche, ein paar kleine Posts vorzubereiten, damit der Blog nicht versauert. Das wäre ja etwas schade drum. ;D

Dann verabschiede ich mich schon mal, denn nun kommt nur noch die Auflistung der Bücher.
Ein schönes Wochenende wünsche ich euch!



Überraschung des Monats: Das Ende des Bengalischen Tigers von Yôko Ogawa, weil es mich einfach so berührt hat.

Enttäuschung des Monats: Gregor und die graue Prophezeiung von Suzanne Collins, weil ich etwas mehr als Standard erwartet habe (ein richtiger Flop war dieses Mal nicht dabei).


David Safier. Muh!. 
"Muh!" war mein erster Ausflug in dieses Genre. Und ich muss sagen, dass er sich durchaus gelohnt hat.

Fazit:
Ein lustiges, unterhaltsames Buch, das einfach nur nett ist. Gut geschrieben. Für dieses Buch sollte man durchaus auf nette Heile-Welt-Geschichten stehen. (Klingt jetzt fast negativer als beabsichtigt. Sowas.)

Die volle Rezension findet ihr hier.








Daniel Kehlmann. Die Vermessung der Welt.
Ich habe endlich eine Bildungslücke gestopft und habe dieses Buch gelesen. Das war echt traurig, als ich es wieder zurückgeben musste, denn es war nur geliehen.

Fazit:
Ein toller Roman, unglaublich gut geschrieben, mit einem ganz besonderen Humor. Vielleicht historisch nicht immer korrekt, aber dafür eben ein wunderbares Buch, dass zwei Genies mal aus einem anderen Blickwinkel beleuchtet.

Eine Rezension habe ich bisher noch nicht geschrieben, das Buch wurde schon so oft rezensiert ...





Suzanne Collins. Gregor und die graue Prophezeiung. 
Gregor. Die Bücher wollte ich schon lange einmal lesen und nun haben sie endlich den Weg zu mir gefunden. Beziehungsweise (ich rede hier schon im Plural) der erste Band hat den Weg zu mir gefunden.

Fazit:
Das Buch hat mich mit gemischten Gefühlen zurückgelassen. Ich denke, die Reihe hat durchaus Potenzial, aber der erste Band ist noch etwas abgedroschen, auch wenn durchaus einige interessante Elemente vorkommen (die Wesen, die die Welt bevölkern, die Anwesenheit der kleinen Schwester). Leider blieben auch einige Charaktere für mich sehr blass.
Würde wohl etwas zwischen 3 und 3,5 Sternen bekommen, aber irgendwie konnte ich mich da noch nicht auf etwas einigen.

Zu dem Buch gibt es aufgrund meiner eigenen Unfähigkeit, das Buch zu bewerten, noch keine Rezension.


Yôko Ogawa. Das Ende des Bengalischen Tigers.
Ich bin so froh, dass ich diese Autorin entdeckt habe! Sie schafft es wirklich, eine ganz besondere Stimmung heraufzubeschwören und ich bin mehr als begeistert!

Fazit:
Ein toller Kurzgeschichtenroman, wunderbar geschrieben, ganz toll erzählt. Yôko Ogawa gelingt es, in einer poetisch ruhigen Weise, Alltagssituationen zu schildern, die doch wieder speziell sind und - ja, einfach toll.

Die Rezension findet ihr hier.






Jo Nesbø. Die Fährte.
Diese Reihe habe ich im Sommer ganz zufällig entdeckt, eigentlich lese ich nicht so viele Krimis. Aber es gab den sechsten Band ganz billig und dann war ich so begeistert, dass ich die Reihe nun von Anfang an aufrolle. Das hier war der vierte Band.

Fazit:
Wieder ein schöner Nesbø, wenn auch nicht so gut wie andere Bücher aus der Reihe. Mein Favorit ist immer noch der sechste Band, dicht gefolgt vom dritten. Ich mag die Hauptperson einfach zu gerne.

Eine Rezension wird es dazu nicht geben, weil ich es schwer finde, mitten in der Reihe mit Rezensionen anzufangen.





Nils Mohl. Es war einmal Indianerland.
Ein Buch, mit dem mich eine Kollegin infiziert hat. Recht unbekannt, aber großartig.

Fazit: 
Ein starkes Buch, ungewöhnlich geschrieben, aber wenn man erstmal in den Schreibstil und die Erzählweise herein gefunden hat, entwickelt sich ein starker Sog, der einen mitreißt.

Die Rezension gibt es hier.







Yôko Ogawa. Liebe am Papierrand.
Mein zweites Buch von Yôko Ogawa, dass ich blind mit dem ersten mitbestellt habe. Es brauchte aber ein paar Wochen, bis es ankam (immer diese Büchersendungen).

Fazit: 
Ein ganz tolles Buch, eine besondere Liebesgeschichte, wieder sehr ruhig erzählt und doch fesselnd. Über die Kleinigkeiten im Leben, denen man viel zu wenig Beachtung schenkt.

Die Rezension kommt (hoffentlich) in den nächsten Tagen. :)

[Rezension] Es war einmal Indianerland



Nils Mohl
Es war einmal Indianerland
Rowohlt Verlag
12,99 €
ISBN 978-3-499-21552-0
1. Auflage 1. Februar 2011
352 Seiten
Klappenbroschur
Verlagsseite
Leseprobe







Stell dir vor, du bist 17 und lebst in den Hochhäusern am Stadtrand. Der Sommer ist heiß. Es ist Mittwochnacht, als dir Jackie den Kopf verdreht. Im Freibad. Fuchsrotes Haar. Sandbraune Haut. Stell dir vor, wie dir die Funken aus den Fingern sprühen vor Glück. Und plötzlich fliegt die Welt aus den Angeln: Zöllner erwürgt seine Frau. Edda, die 21-Jährige aus der Videothek, stellt dir nach. Mauser steigt mit Kondor in den Ring. Immer wieder meinst du, diesen Indianer mit der Adlerfederkrone zu sehen. Und dann zieht zum Showdown ein geradezu biblisches Gewitter auf – fühlt es sich so an, erwachsen zu werden? (Quelle)

Ein hauchdünner weißer, leuchtender Schleier bedeckt den Himmel. Durch ihn hindurch brutzelt die Sonne bereits unbarmherzig auf den Stadtrand nieder, trommelt und hämmert gegen Mauern, Fenster und Satellitenschüsseln. Ein Sommertag wie aus einem Comic. Die Luft flimmert, als wäre sie voller Benzindampf.
An diesem Morgen beginnt alles, was niemand wissen kann.
S. 48


Nachdem meine Kollegin mir so von diesem Buch vorgeschwärmt hat, konnte ich nicht anders und musste es mir kaufen und habe diese Anschaffung auf keinen Fall bereut. Das Buch ist ungewöhnlich gewöhnlich. Gewöhnlich deshalb, weil die Story eigentlich recht "normal" ist; ungewöhnlich aufgrund des Schreibstils und der Darstellung. Ein typischer Jugendroman über das Erwachsenwerden in einem herausstechenden Gewand, das mich persönlich sehr angesprochen hat. Aber ich schätze, dass der Stil durchaus polarisieren kann, denn er ist sehr modern.

Das ungewöhnlichste ist wohl der Aufbau des Buches. Es besteht aus zwei Hauptteilen, die aus ineinander verschränkten Szenen bestehen. Die Angaben "vor: Samstag, noch 2 Tage Ferien", "zurück: Mittwoch, noch 12 Tage Ferien", wie bei einer Kassette, die man spult, sind die einzigen Anhaltspunkte, die man als Leser hat, um die einzelnen Szenen im Kopf aneinanderzureihen. Am Anfang sind die Sprünge sehr verwirrend, doch je tiefer man in das Buch einsteigt, desto vollständiger wird das Bild der Handlung im Kopf. Fragmente, die langsam zusammenfinden und sich zu einem Ganzen vereinen.
Ich habe mich manchmal gefragt, ob das Buch diese verschränkten Szenen überhaupt nötig hat. Ob es seine Sogkraft nicht auch mit einer linear aufgebaute Geschichte beibehalten würde. Letztendlich bin ich noch zu keinem Schluss gekommen, stehe dem Aufbau auch etwas zwiespältig gegenüber.

Der Schreibstil ist ... anders. Ich nutze ja gerne das Wort "rund" um einen ausgefeilten Schreibstil zu beschreiben, bei dem man das Gefühl hat, dass jedes Wort an der einzig richtigen Stelle sitzt, bei dem eine Melodie der Worte entsteht.
Dieser Stil ist eher geprägt von Disharmonien, Tonfolgen, die unbeherrscht und mächtig an die Oberfläche brechen. Die Gedanken des Protagonisten, unsortiert, ungefiltert und dabei so realistisch eingefangen. Rund auf seine ganz eigene Weise und dabei doch immer wieder eckig.
Ja, je länger ich über den Stil nachdenke, desto besser gefällt er mir, auch wenn er sicher eine gewisse Gewöhnungszeit braucht. Aber er ist stark und fasst Emotionen und Eindrücke so bildreich und passend in Worte, dass man Gedanken des Protagonisten nachvollziehen kann und das Gefühl hat, neben ihm zu stehen, dasselbe wahrzunehmen wie er.

Das zentrale Thema des Romans ist das Erwachsenwerden. Der namenlose Protagonist ist auf der Suche, auf der Suche nach etwas, das ihm Halt gibt und als Leser kann man seine Suche miterleben. Dabei testet er vieles aus, verhält sich nicht kalkulierbar, möchte anecken, die Welt austesten. Genau diese Stimmung, die sich auch im Aufbau des Buches und im Schreibstil widerspiegelt.
Dabei trifft man auf ganz unterschiedliche Charaktere. Sie sind alle normal und doch besonders, Nils Mohl gelingt es, Eigenheiten herauszugreifen, die die Charaktere unverwechselbar machen, mit ihren Ecken und Kanten. Es war kein Charakter dabei, von dem ich nicht gerne noch mehr erfahren hätte. Doch der Hauptcharakter ist und bleibt der namenlose Protagonist und so wird auch er am genausten beleuchtet - kein Wunder, begleitet man ihn als Leser zwölf Tage lang und hat Einblick in sein Innenleben.

Das war ein ungewöhnliches und eindringliches Leseerlebnis für mich. Ja, ich weiß, ich schwärme oft von "ungewöhnlichen" Büchern, von "anderen" Büchern, aber ich begebe mich meist auch bewusst auf die Suche danach. Bei diesem Buch hätte ich gar nicht damit gerechnet, wurde also positiv überrascht von der Sprache, die mich einfach mitgerissen hat.
"Es war einmal Indianerland" hat dieses Jahr übrigens auch den Deutschen Jugendliteraturpreis gewonnen. Auf Preise muss man nicht unbedingt etwas geben, aber ich wollte es zumindest mal erwähnen.

- Wo ist Bozorg, ich meine, Martin?
Ihr Geruch, als sie näher kommt. Kein Parfum. Kein Schweiß. Wie ein Fluss vielleicht im Herbst. Oder ein Seeufer. Passt zur vornehmen Blässe. Sie:
- Kommt gestern ein possierliches Opossum hier rein, nimmt Bozorg, ich meine, Martin, es auf die Hand, gibt ihm einen Kuss und verwandelt sich daraufhin selbst in eine Texas-Klapperschlange. Rasselt er dann vor Glück mit dem Schwanz, verspeist das possierliche Tierchen gleich an Ort und Stelle und kraucht weg.
- ...?
Die abgemilderte Variante des kollernden Lachens. Dann die Frage hinterher:
- Wer ist Bozorg, ich meine, Martin?
S. 53


Ich empfehle dieses Buch all jenen, die durchaus neuen Leseerlebnissen gegenüber offen sind, die nichts gegen einen ungewöhnlichen Stil und ein ungewöhnliches Buch haben. Wenn man Spaß an so etwas hat und gleichzeitig noch gerne Jugendromane über das Erwachsenwerden liest, ist das Buch genau das richtige. Zum Reinschnuppern bietet sich die Leseprobe an.

Idee: 4/5
Handlung: 4/5
Charaktere: 5/5
Schreibstil: 5/5
Lesespaß: 5/5

Gesamt:
  

[Challenge] The Contemporary YA Challenge


Hallo! :)

Diese Challenge wurde von Hannah von Paper Trail und der Bücherdiebin ins Leben gerufen. Die erste Challenge, an der ich teilnehme, ich bin schon wirklich gespannt und freue mich darauf, viele neue tolle Bücher kennen zu lernen. 
Das Genre lese ich total gerne, auch wenn ich definitiv noch viel zu wenige Bücher kenne - aber das ist ja die perfekte Gelegenheit, die Fühler mal etwas auszustrecken.

Die beiden Organisatorinnen haben bereits eine tolle und umfangreiche Liste mit Buchtipps zusammengestellt, sodass jeder leicht den Einstieg findet, auch wenn er sich in dem Genre nicht so gut auskennt. Ich denke, ich werde mir auf jeden Fall ein paar Bücher auf der Liste vornehmen (wie zum Beispiel die Bücher von John Green) und dann mal sehen, ob ich vielleicht noch etwas Neues entdecke. 

Toll finde ich auch die geplanten Zusatzaktionen. So kann man im Rahmen der Challenge Autoren vorstellen und Hannah und die Bücherdiebin planen auch noch einige Überraschungen. Ich bin total gespannt und habe bereits entschieden, dass ich Nils Mohl vorstellen möchte, der doch noch recht unbekannt zu sein scheint, obwohl er dieses Jahr den Deutschen Jugendliteraturpreis gewonnen hat.

Hier gibt es nochmal die Regeln in Kurzform, für alle Interessierten, die vielleicht mitmachen wollen:
Zeitraum: 01. Dezember 2012 bis 31. Mai 2013
Leseziele: 8 Bücher aus dem Genre "Contemporary Young Adult" inklusive einer Rezension
Ihr könnt euch einfach bei Hannah oder der Bücherdiebin für die Challenge anmelden, indem ich einen Kommentar unter den entsprechenden Challenge-Post [Paper TrailDie Bücherdiebin] setzt. 

Also wer weiß, vielleicht kann ich ja jemanden von der Challenge überzeugen. :)

Viele Grüße
Miyann

[SUB] Neuankömmlinge #2

Hallo! :)

In den letzten Tagen haben wieder einige Bücher den Weg zu mir gefunden. Zum einen war ich seit langem einmal wieder in einer Buchhandlung, zum anderen kam das zweite bestellte Buch von Yoko Ogawa mit über einer Woche Verspätung endlich bei mir an. Grund für die Verspätung war eine falsch geschrieben Adresse ... Naja, besser spät als nie.
Obwohl ich das Buch gebraucht gekauft habe, ist es wirklich wie neu, d.h. definitiv ungelesen, es riecht sogar noch neu, und ich denke, ich werde den Händler noch einige Male beehren.

Nun aber los:





Yôko Ogawa
Liebe am Papierrand
Liebeskind
19,80 €
ISBN 978-3-935890-25-0
1. Auflage August 2004
256 Seiten
Gebunden
Verlagsseite





Inhalt: Eine junge Frau nimmt in einem Hotel an einer Gesprächsrunde mit Gehörkranken teil. Zu dem Stenographen, der das Gespräch protokolliert, fühlt sie sich auf geheimnisvolle Weise hingezogen. Von ihm erfährt sie, daß das Hotel einst einer Fürstenfamilie gehörte, deren kleiner Sohn seinerzeit von einem Balkon stürzte. Jahrelang lag das Kind schwerverletzt in einem der Zimmer, in das der Fürst unzählige Blumen pflanzen ließ, da der abendliche Duft der Blüten dem Jungen Erleichterung verschaffte. Als die Frau nun zusammen mit dem Stenographen das Zimmer besichtigt, glaubt sie, den Duft der längst vergangenen Blumen wahrzunehmen. Sie bittet ihn, fortan ihre Lebensgeschichte aufzuschreiben. Doch als der Stenograph mit den Aufzeichnungen beginnt, und die junge Frau erkennt, daß er hierfür nur eine begrenzte Anzahl von Papier vorgesehen hat, spürt sie, daß sie ihn bald schon wieder verlieren wird…

Wie es zu mir kam: Wie das erste Buch, das ich von der Autorin gelesen habe, war es ein Blindkauf. Nun weiß ich aber ja, wie toll sie schreibt und freue mich bereits sehr darauf!

Erwartungen: Ein wunderbar geschriebener, ruhiger Roman, der unnormal normal ist.




Nils Mohl
Es war einmal Indianerland
Rowohlt Verlag
12,99 €
ISBN 978-3-499-21552-0
1. Auflage 1. Februar 2011
352 Seiten
Klappenbroschur
Verlagsseite
Leseprobe





Inhalt: Stell dir vor, du bist 17 und lebst in den Hochhäusern am Stadtrand. Der Sommer ist heiß. Es ist Mittwochnacht, als dir Jackie den Kopf verdreht. Im Freibad. Fuchsrotes Haar. Sandbraune Haut. Stell dir vor, wie dir die Funken aus den Fingern sprühen vor Glück. Und plötzlich fliegt die Welt aus den Angeln: Zöllner erwürgt seine Frau. Edda, die 21-Jährige aus der Videothek, stellt dir nach. Mauser steigt mit Kondor in den Ring. Immer wieder meinst du, diesen Indianer mit der Adlerfederkrone zu sehen. Und dann zieht zum Showdown ein geradezu biblisches Gewitter auf – fühlt es sich so an, erwachsen zu werden?

Wie es zu mir kam: Ein Buch, das seinen Weg über die Arbeit zu mir gefunden hat. Eine Arbeitskollegin schwärmt sehr davon und hat mich so damit angesteckt, dass ich mir das Buch kaufen musste. Ich hatte ja die Befürchtung, dass die große Buchhandlung mit H. es nicht vorrätig hat (da bin ich schon oft enttäuscht worden), aber es war da.
Das Buch hat übrigens den Deutschen Jugendliteraturpreis gewonnen.

Erwartungen: Ein Jugendroman, der sich echt anfühlt, gut geschrieben ist und einfach überzeugt. Ich hoffe mal, ich erwarte nun nicht zu viel.






Juli Zeh
Nullzeit
Schöffling & Co.
19,95 €
ISBN 978-3-89561-436-1
1. Auflage 1. August 2012
256 Seiten
Gebunden
Verlagsseite
Leseprobe




Inhalt: Eigentlich ist die Schauspielerin Jola mit ihrem Lebensgefährten Theo auf die Insel gekommen, um sich auf ihre nächste Rolle vorzubereiten. Als sie Sven kennenlernt, entwickelt sich aus einem harmlosen Flirt eine fatale Dreiecksbeziehung, die alle bisherigen Regeln außer Kraft setzt. Wahrheit und Lüge, Täter und Opfer tauschen die Plätze. Sven hat Deutschland verlassen und sich auf der Insel eine Existenz als Tauchlehrer aufgebaut. Keine Einmischung in fremde Probleme – das ist sein Lebensmotto. Jetzt muss Sven erleben, wie er vom Zeugen zum Mitschuldigen wird. Bis er endlich begreift, dass er nur Teil eines mörderischen Spiels ist, in dem er von Anfang an keine Chance hatte.

Wie es zu mir kam: Von Juli Zeh habe ich bereits sehr viele Bücher (alle?) gelesen. Somit ist es irgendwie logisch, dass mich auch Nullzeit interessiert. Ich habe auch schon ein paar Rezensionen studiert, die mein Interesse geweckt haben. Und das Cover! Toll!
Jedenfalls lag es dann gestern so da und obwohl ich eigentlich kein teures, gebundenes Buch kaufen wollte, habe ich es mitgenommen. So viel zu den guten Vorsätzen.

Erwartungen: Ein Buch, dass mal wieder anders ist. So wie die Bücher von Juli Zeh immer anders sind. Das polarisiert.



Da ich gestern meinen Krimi durchgelesen habe, darf ich nun also wieder etwas Neues auswählen - ich denke, es wird Es war einmal Indianerland werden. Auf das Buch bin ich einfach so gespannt!

Viele Grüße
Miyann

[TAG] Fill in

Ich wurde vor einigen Tagen getaggt und zwar von Kaugummiqueen! Vielen Dank, ich habe mich sehr gefreut. :D
Der TAG wurde von bookjunkies-rezi ins Leben gerufen. 
Die fetten Beiträge stammen von mir. Und die Sachen in Klammern auch. :)


Könnte ich mir eine Fantasywelt aussuchen würde ich am liebsten in Phantásien leben. (Nostalgie!)

Gefühl(e) ist (sind) mehr wert als alles Geld der Welt.

Würde ich ein Buch schreiben, hätte es das Genre Fantasy.

Liebe auf den ersten Blick wird in meinen Augen niemals eine tiefe Liebe sein, eher eine Schwärmerei. Aber sie kann sich ja noch vertiefen. ;)

Mein liebstes Urlaubsziel ist Norwegen.

Müsste ich mich zwischen Chips und Schokolade entscheiden, würde ich definitiv Schokolade nehmen.

Edward und Bella finde ich witzig. (Ob hier schon mal irgendjemand "kenne ich nicht" geschrieben hat?)

Mein liebstes blaues Buch ist ... . (Ah. Ich weiß doch nicht, welche Bücher blau sind? Und hier habe ich keine blauen ... Ich fürchte, das kann ich jetzt nicht sagen, ohne vor meinem Bücherregal zu stehen.)

Meine Eltern halten meine Leidenschaft für Bücher für unterstützenswert. Besonders als ich ein noch ein Kind war, haben sie mich da gerne gefördert, mittlerweile schütteln sie in Angesicht meiner Bücherregale die Köpfe - schenken mir aber weiterhin Bücher.

Adventskalender mag ich, weil es schön ist, jeden Tag eine kleine Aufmerksamkeit zu bekommen. Das zählt natürlich nur für selbst gebastelte, gekaufte finde ich langweilig. 

[Viele Serien hier einfügen] ist die beste Serie, die jemals gedreht wurden. (Bei Lieblingssachen tue ich mich immer total schwer. So auch bei Serien. Lost, Sherlock, Game of Thrones, The Mentalist, Firefly, Buffy, Flash Forward, etc. etc.)

Wenn ich ein Buch lese, dann habe ich am liebsten Ruhe neben mir.

Mich stört kleine, unleserliche Schrift am meisten an Büchern.

Sobald ich ein Vampirbuch sehe wundere ich mich über den anhaltenden Trend.

Würde ich auf einer verlassenen Insel stranden würde ich Robinson Crusoe (füge hier einen Buchcharakter ein) mitnehmen. Weil er wohl über die reichhaltigste Erfahrung in solchen Situationen verfügt.



Auf das Weitergeben des TAGs verzichte ich mal wieder, weil den sowieso schon gefühlt jeder bekommen hat. Wenn ihn gerne jemand bekommen will, tagge ich natürlich gerne. :)

Edit: Und ich habe jemanden gefunden! Hiermit tagge ich offiziell Tin von Traumseele. Übrigens ein sehr schöner Blog, den ich nur weiterempfehlen kann.

Viele Grüße
Miyann

[Fundstücke] Teil 1

Hallo! :)

Heute möchte ich mal eine neue Kategorie vorstellen. Und zwar würde ich gerne einige Sachen, die man im www so findet, mit euch teilen, seien es jetzt beeindruckende Videos, lustige Homepages oder andere interessante Sachen. Vielleicht auch mal wissenschaftliche Theorien, die ich spannend finde, der Begriff Fundstücke ist ja glücklicherweise recht dehnbar.
Mein Fundus auf diesem Gebiet ist auch recht groß, so kann ich endlich mal wieder meine ganzen Lesezeichen durchwühlen.




Kurzfilm: Nun sehen Sie folgendes


Ich fange mit einem unglaublich witzigen Kurzfilm an. Wirklich toll, der Film hat auch zu Recht den Deutschen Kurzfilmpreis gewonnen. Guckt ihn euch an und freut euch!





Spiel: Die Anstalt für misshandelte Kuscheltiere


Und ich habe noch ein kleines Spielchen für euch, das sicher viele kennen, denn es ist ein wahrer Klassiker. Wenn jemand aber noch nicht von Der Anstalt für misshandelte Kuscheltiere gehört hat, dann wird es Zeit! (Das Spiel startet unten rechts.) 
Da könnt ihr euch als Kuscheltierpsychiater versuchen. Sehr witzig und süß und traurig, irgendwie alles gleichzeitig. Nach und nach kann man sich in die Psyche der armen Tierchen vortasten und so mehr über ihre düstere Vergangenheit erfahren - und ihnen mit Glück wieder ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Das benötigt aber tatsächlich etwas Feingefühl.




Das war es heute von mir in dieser Kategorie!

Viele Grüße
Miyann

[Rezension] Das Ende des bengalischen Tigers




Yoko Ogawa
Das Ende des Bengalischen Tigers
Liebeskind Verlag
18,90
ISBN 978-3-935890-75-5
1. Auflage 21. Februar 2011
224 Seiten
Gebunden
Verlagsseite
Leseprobe








Wanderungen zwischen Imagination und Realität: In elf miteinander verwobenen Geschichten entwirft Yoko Ogawa eine Alltagswelt, in die unvermittelt etwas Fremdes, Bedrohliches einbricht. Eine Lektüre auf dünnem Eis, tiefgründig und geheimnisvoll.

Was hat eine Mutter, die ihr Kind verloren hat, mit einer alten Witwe zu tun, deren Mann vor Jahren unter mysteriösen Umständen verschwunden ist? Welche Verbindung gibt es zwischen einer Schriftstellerin, die regelmäßig bis spät in die Nacht arbeitet, und einer Konditorin, die als Mädchen in ein ehemaliges Postamt eingebrochen war?

Yoko Ogawa spinnt ein feines Netz von Geschichten, die in einer rätselhaften Welt spielen. Alle Figuren folgen ihrem eigenen unergründlichen Schicksal, und doch kreuzen sich ihre Wege, während sie wie im Traum an den Abgründen des Lebens entlangwandeln. (Quelle)

Besonders die Äste der Kiwisträucher bogen sich unter ihrer Last, und in mondhellen Nächten, wenn der Wind durch die Blätter fuhr, sah es aus, als würden Schatten von tiefgrünen Fledermäusen den Hügel umschwirren. Manchmal hatte ich richtig Angst, dass sie beim leisesten Geräusch schlagartig auffliegen könnten.
S. 37


Es war ein absoluter Zufall, dass ich dieses Buch gefunden habe und ich bin wohl auch nur aufgrund des schönen Covers hängen geblieben. Aber es sieht wirklich toll aus, oder? Ich finde es sehr schön und außergewöhnlich. Die meisten Bücher der Autorin haben so tolle Umschläge und ich musste mich wirklich beherrschen, nur aufgrund der Optik nicht mehr zu bestellen.

Als das Buch dann endlich nach einer Woche Wartezeit bei mir eintraf, passte es perfekt, da ich gerade ein Buch beendet hatte. Also begleitete mich »Das Ende des Bengalischen Tigers« und ich habe angefangen reinzulesen. Und konnte nicht mehr aufhören. Und auch jetzt, wo ich das Buch fertig gelesen habe, spukt es immer noch in meinen Gedanken herum, ich würde es am liebsten noch einmal zur Hand nehmen und ein zweites Mal lesen, in der Hoffnung, noch mehr zu finden, das mir beim ersten Lesen entging.

Das Buch besteht aus elf Kurzgeschichten, die aber alle ineinander verwoben sind. Immer wieder werden kleine Elemente aus den vorherigen Geschichten aufgegriffen und so formt sich beim Lesen langsam ein Gesamtbild. Jede Geschichte ist aus der Sicht einer anderen Person geschrieben und so erfährt man einiges über die Innensicht als auch durch folgende Kurzgeschichten über die Außensicht oder Außenwirkung  der einzelnen Personen. Man reist dabei aber durch Raum und Zeit, betrachtet vergangene Ereignisse, die die Menschen zu dem gemacht haben, das sie sind.

Wie der Titel schon sagt, dreht sich der Inhalt um das Ende und zwar in verschiedenen Arten: Das Sterben und menschliche Abgründe, oft sind die Erzählungen ein wenig morbide. Dabei transportieren sie aber immer eine ruhige Stimmung, die sich von Geschichte zu Geschichte unterscheidet, abhängig von der erzählenden Person. Aber immer haftet den Erzählungen eine leicht surreale Atmosphäre an.

Der Schreibstil ist wunderschön, leicht zu lesen, aber trotzdem ... besonders. Yoko Ogawa hat wirklich eine ganz spezielle Art, die Geschehnisse in Worte zu fassen. Nicht umsonst ist sie eine von Japans größten Schriftstellerinnen. Ihr gelingt es, diese Szenen in beeindruckender Weise darzustellen.
Ich glaube, das spezielle daran sind wirklich die Momente, die sie ausgewählt hat und die sie darstellt. Diese besonderen Momente, die einerseits so alltäglich und andererseits so ungewöhnlich sind.

Wie bereits geschrieben, habe ich den Drang, das Buch noch einmal zur Hand zu nehmen um die Tiefgründigkeit der einzelnen Geschichten und ihre Verwobenheit genauer zu erfassen.
Falls jemand nicht genau weiß, ob dieses Buch etwas für ihn ist, empfehle ich die Leseprobe. Bei book2look  kann man eine ganze Kurzgeschichte lesen, ihr müsst also keine Angst haben, dass es mitten in der Handlung abbricht.

Ich würde gerne noch viel mehr zu diesem Buch schreiben, aber mir fehlen fast ein bisschen die Worte, um die Gefühle wiedergeben zu können, die für mich dieses Leseerlebnis so einzigartig gemacht haben. Aber einzigartig war es auf jeden Fall.

Am schönsten ist es, wenn der Mond scheint. Sein Licht kommt erst dann richtig zur Geltung, wenn die Laternen auf der zur Ruhe gekommenen Straße nur noch trüb vor sich hin schimmern. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass meine Taschen - ganz gleich welche Art - im Mondschein am faszinierendsten aussehen. [...]
Das Mondlicht bringt schonungslos die winzigsten Details zum Vorschein. In dem kurzen Augenblick, wenn die Passanten an meinem Laden vorbeigehen, durchschaue ich sie.
S. 71

Ein ungewöhnliches Buch, das elf Kurzgeschichten in einem Roman verbindet. Wunderbar geschrieben, sehr fesselnd, in meinen Augen etwas ganz besonderes, das mich immer noch nicht losgelassen hat und wohl noch lange beschäftigen wird.

Idee: 5/5
Handlung: 5/5
Charaktere: 5/5
Schreibstil: 5/5
Lesespaß: 5/5

Gesamt:
  

[Bla] Aus dem Leben der Miyann (oder so)


Hallo! :)

Ich dachte mir, dass ich nach den beiden Filmvorstellungen, die ja etwas geballt kamen, mal wieder ein bisschen was erzähle. Einfach so, ohne einen tieferen Sinn dahinter.

Das Foto da oben stammt von meiner Wandertour, die ich vorletztes Wochenende unternommen habe. Eigentlich dachte ich, ich würde da noch beeindruckendere Fotomotive finden, aber das war dann doch sehr ernüchternd. Ich fürchte, da habe ich die falsche Route gewählt, aber das nächste Mal bin ich dann klüger.
Die Wanderung war teilweise auch echt anstrengend, als kleines Nordlicht bin ich das gar nicht gewohnt. Ja, Bayern ist da schon ein ganz anderes Kaliber. Aber ich habs geschafft, tschakka, auch wenn ich dabei sicher alles andere als ... routiniert ausgesehen habe.

Ansonsten wird mein Leben derzeit sehr stark von der Arbeit eingenommen, daher kam der Blog auch ein bisschen zu kurz. Aber ich gebe mir große Mühe, mich zu bessern. Ich überlege auch gerade, was ich noch für neue Kategorien anfangen kann und ich denke, ich sollte einfach mehr Plauderposts machen (so wie diesen hier).

Morgen werde ich ein bisschen backen, Krys (Traumweltenwandlerin) hat in letzter Zeit tolle Rezepte gepostet, die ich nun ausprobieren werde. Ich bin schon echt gespannt, ob sie mir gelingen. Allgemein backe ich immer gerne, wenn ich mich denn mal aufraffen kann.

Heute habe ich seit langem mal wieder ein Buch an einem Tag durchgelesen. Ich saß drei Stunden beim Friseur und habe die Zeit entsprechend genutzt. Es war ein toller (und recht unbekannter) Kurzgeschichtenroman, den ich auch morgen (denke ich) hier vorstellen werde. Das Buch verdient eindeutig mehr Aufmerksamkeit!
Ich warte noch auf ein zweites Buch von der Autorin, aber Büchersendungen sind ja immer so unzuverlässig ...
Das Gregor-Buch habe ich auch fertig gelesen, auch dazu wird meine Meinung in den nächsten Tagen kommen, denke ich. Da es mich aber nicht sooo begeistert hat, hat das andere Buch gerade eine höhere Priorität. ;)
Der Friseurbesuch war übrigens auch sehr erfolgreich, falls es jemanden interessiert. Ich bin recht zufrieden, die kaputten Spitzen sind ab, neue Farbe druff und so weiter.

Außerdem war ich heute bei der Münchner Bücherschau, die im Rahmen des Literaturfests München stattfindet. Da gab es viele Bücher ... Ich hatte nur keine Zeit, so richtig zu stöbern - mein Geldbeutel wird es mir danken. Quasi eine kleine Buchmesse. :)
Wenn jemand in der Nähe von München wohnt: Es gibt tolle Lesungen, da wird ein buchbegeisterter Mensch bestimmt fündig. Und die vielen Bücher erst ...

Nun mache ich mir noch einen ruhigen Abend mit etwas Glühwein (einem, der sogar kalt schmeckt, voll gut).
Viele Grüße
Miyann

[Filmvorstellung] Cloud Atlas





Cloud Atlas
Erscheinungsjahr: 2012
Laufzeit: 172 Minuten
FSK 12
Regie: Tom Tykwer, Andrew Wachowski, Lana Wachowski
Schauspieler:
Tom Hanks, Halle Berry, Jim Broadbent, Hugo Weaving, Jim Sturgess, Doona Bae, Ben Wishaw, James D'Arcy
Offizielle Seite zum Film





1849: Ein amerikanischer Anwalt auf hoher See, der die Schrecken des Sklavenhandels kennenlernt.
1936: Ein junger Komponist, mit dessen Hilfe ein alterndes Genie ewigen Ruhm erlangen könnte.
1973: Eine aufstrebende Journalistin, die eine Atom-Intrige enthüllt.
2012: Ein Verleger, der in einem Altersheim erkennt, was Freiheit bedeutet.
2144: Eine geklonte Kellnerin, die ihre Wirklichkeit verändert.
2346: Ein Sonderling, der sich in einer post-apokalyptischen Welt mutig gegen übernatürliche Kräfte stellt.

Sechs Schicksale in 500 Jahren und doch ein einziges Abenteuer, in dem all unsere Helden in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auf engste miteinander verbunden sind. Im Mittelpunkt steht ein Verbrecher, der sich über die Jahrhunderte hinweg wandelt und schließlich zum Retter der Menschheit wird. (Quelle)




Cloud Atlas. Als eine Freundin mit den Trailer zeigte, war ich total begeistert. Ich habe vorher extra das Buch gelesen und war erneut total begeistert. Nur den Trailer habe ich mit kritischeren Augen betrachtet, denn einige Sachen waren so anders als im Buch.

Ich weiß, dass man das Medium Film von dem Medium Buch trennen muss und eigentlich kann ich das auch recht gut. Aber in diesem Fall will es mir einfach nicht gelingen. Vielleicht ist das Buch noch zu frisch in meinen Gedanken, vielleicht frage ich mich auch, warum die Regisseure sich nicht einfach eine komplett neue Story ausgedacht haben. Ich denke, das hätte dem Film besser getan.

Der Punkt ist: Das Buch enthält viele Botschaften, jeder Handlungsstrang bietet für sich vieles, regt zum Nachdenken an. Die ganze Seelenverbindung ist zwar die ganze Zeit existent und taucht immer mal wieder unterschwellig auf, wird aber überhaupt nicht betont. Es ist eben eines der vielen Elemente, die das Buch in sich trägt.
Im Film wurde die Seelenreise so plakativ dargestellt, dass es beinahe konträr zu den Ansichten läuft, die das Buch vermittelt. Und zudem konzentrieren sich die Regisseure so sehr auf ihre "Alles ist verbunden"-Message, dass leider kein Raum mehr für den Rest bleibt, der für mich die Lektüre des Buches ausgemacht hat. Stattdessen haben sie noch ein paar ebenso plakative Botschaften mit eingestreut, die das Buch so nie dargestellt hat.
Mit den veränderten Charakteren und Storyelementen will ich gar nicht anfangen. Aber darüber kann ich auch hinweg sehen, auch wenn Charaktere sterben, die nie gestorben sind oder eine Liebesbeziehung eingehen, die es so nie gab. Auch mit dem Muttermal an den falschen Personen könnte ich leben.
Aber aufgrund der veränderten Aussagen frage ich mich, wieso das Buch überhaupt als Vorlage genommen wurde, wenn es dem Werk einfach nicht mal ansatzweise gerecht wird?
Das traurigste war für mich die Storyline in Korea, die einfach so viel bot, so vielschichtig war - und im Film einfach nur ein reines Actionspektakel und dadurch so verflacht wurde ...

Aber zu den positiven Sachen: Gut hat mir gefallen, dass die sprachlichen Besonderheiten des Buches so gut wie möglich übernommen wurden. Auch wenn es das dem Kinobesucher den Film sicher nicht erleichtert, gefiel mir besonders die Übernahme des neuen Sprachdialekts in der post-apokalyptischen Welt sehr gut.
Über die Bilder muss man wohl nicht sprechen: Grandios, toll gefilmt, einfach eine atemberaubende Regie.
Auch die Besetzung hat wirklich überzeugt, hier hatten die Schauspieler die Möglichkeit, mal in bis zu sechs verschiedene Rollen zu schlüpfen. Es war spannend zu raten, wer wer war. Und in den meisten Fällen gefiel mir auch die Umsetzung sehr gut.
Einziger Kritikpunkt: Macht keine Europäer zu Asiaten. Das geht einfach nicht. Das hat mir echt den größten Lachanfall im Kino beschert, von dem ich mich nur schwer erholen konnte.
Sowieso ist der Film durch die teilweise etwas unglücklichen Schnitte manchmal unfreiwillig komisch. Aber gut, so hatte ich wenigstens meinen Spaß.

Und hier ist ein kleines Making-of:


Also: Der Film macht schon Spaß. Die Kritik die ich anbringe, kann man wohl nur anbringen, wenn man das Buch kennt. Ich finde den Gedanken hinter dem Projekt schon sehr ehrgeizig. Ob man den Film ohne Buchkenntnis versteht, kann ich nicht beurteilen, aber einige Kinobesucher wirkten schon sehr verwirrt.

Ich empfehle aber auf jeden Fall das Buch zu lesen! Es lohnt sich, wirklich! Und erst dann den Film zu sehen, denn es wäre schade, wenn das Leseerlebnis irgendwie von dem Film verdorben wird. Es ist meiner Meinung nach das größere Meisterwerk.